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Freitag, 10. September 2010
 
 
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Informationen aus den Landesverbänden

Hessen - Rheinland-Pfalz - Saarland

Prof. Dr. Hans Ulrich Engelmann

Am 8. Mai des Jahres veranstalteten wir eine Sondersitzung im INTERNATIONALEN JAZZ-INSTITUT DARMSTADT, das uns sein Leiter, Dr. Wolfgang Knauer, freundlicherweise auch deshalb zur Verfügung hielt, da unser Thema ausschließlich um das Phänomen Jazz kreiste. Und überdies erlaubten wir uns erstmalig, die Veranstaltung öffentlich über die Presse bekannt zu geben, also hatten auch (noch) Nichtmitglieder freien Zugang.
Wir stellten unser Jazz-Thema unter 8 Punkten in Referaten vor und anschließend zur Diskussion. Es war auch der Versuch, eine Thematik vorzugeben und die Öffentlichkeit daran teilnehmen zu lassen. Jedoch hätte man sich einen noch größeren Interessenkreis gewünscht. Vornehmlich jüngere Menschen und auch Nichtmitglieder äußerten sich zu den Fragen, die sich recht pragmatisch um die Sache des Jazz bewegten. Es muss nachdrücklich betont werden, dass diese Gespräche auf erfreulich hohem Niveau stattfanden. Sicher war das ein Experiment für uns, jedenfalls anders als unsere sonstigen Sitzungen seit Jahr und Tag.
Der folgende Presseartikel aus dem "Darmstädter Echo" vom 10. Mai 1999 informiert über den Verlauf unserer Frühjahrssitzung:

Bekenntnisse zum Jazz
Komponistenverband tagt in Darmstadt

Im historischen Gewölbekeller des Jazz-Instituts Darmstadt trafen sich die Komponisten, Musiker und Musikpädagogen zur Frühjahrssitzung des Deutschen Komponisten-Interessenverbandes Hessen-Rheinland/Pfalz-Saarland. Hauptthema war, dem Genius loci gehorchend, der Jazz und seine Bedeutung für die Berufsausbildung und -ausübung.
Die Komponisten Hans Ulrich Engelmann und Michael Sell informierten anschaulich über die Einstufung von Jazzmusik bei der Gesellschaft für musikalische Aufführungsrechte (GEMA). Danach wird der Jazz, der vor zwanzig Jahren noch pauschal der U-Musik zugerechnet wurde, heute differenzierter bewertet. In vier Stufen figuriert er als Tanzmusik, gehobener, experimenteller und improvisierter Jazz. Der Werkausschuss der GEMA beurteilt im Einzelnen, wobei die ästhetischen Kriterien - etwa die Notation betreffend - durchaus zum Problem werden können. Bedeutsam aber ist, dass anspruchsvolle Kompositionen nun mit Werken der E-Musik gleichgestellt werden.
Der Leiter des Jugendjazzorchesters des Landes Hessen, Wolfgang Diefenbach, berichtete über die fünfzehnjährige zielstrebige, über die Grenzen Hessens hinaus anerkannte Arbeit dieser erfolgreichen Big Band. Es gelte, die Tradition zu pflegen und zugleich Mut zu Neuem aufzubringen - und dies trotz angespannter finanzieller Lage. Junge Komponisten sollen in Zukunft zum Schaffen für das Ensemble angeregt werden.
Gerhard Putschögl schilderte die Arbeitsweise des Aufbau-Studiengangs "Jazz und Popularmusik" an der Frankfurter Musikhochschule, wo es seit einigen Jahren möglich ist, eine Jazzausbildung zu absolvieren, meist in Zusammenhang mit einem pädagogischen Studium.
Helmut Gerhold, Direktor der Darmstädter Akademie für Tonkunst, erläuterte die Situation in seinem Haus. Trotz mancher Konflikte sei es gelungen, einige Jazzfächer innerhalb der Berufsausbildung zu etablieren.
Der Leiter des Jazz-Instituts und Gastgeber der anregenden Veranstaltung, Wolfgang Knauer, wies mit Nachdruck darauf hin, dass das erste Ziel eigentlich sein müsse, das Publikum für den Jazz zu gewinnen - in Darmstadt sei dies bereits in erfreulichem Maß geschehen.(tp)

Sachsen
Friedrich Schlegel

An der Mitgliederversammlung am 26. April 1999 nahmen Frau Barbara Molsen, Hörfunkdirektorin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Herr Dr. Detlef Rentsch, Programmchef von MDR Kultur, Herr Mario Plath, amtierender Hauptabteilungsleiter Klangkörper des MDR und Friedrich Schlegel, Büro für zeitgenössische Musik, teil.
Der Schwerpunkt der Mitgliederversammlung lag auf der Erörterung von Problemen, die sich auf die Präsenz lebender sächsischer Komponisten bzw. zeitgenössischer Musik überhaupt in den Programmen und im Repertoire der Klangkörper des MDR bezogen. Nach einer grundsätzlichen Darstellung der Arbeit des MDR (Frau Molsen, Herr Dr. Rentsch) und die Darstellung der Problematik des MDR Kultur, die Vielschichtigkeit von Kunst, Literatur und Musik in nur einem derartigen Programm zu vermitteln, wurden in einer engagierten und sachlichen Diskussion die jeweiligen Standpunkte erläutert. Im Ergebnis der Diskussion konnte festgestellt werden, dass sich der MDR im Rahmen der aufgezeigten Möglichkeiten und Grenzen auch für die Komponisten des Sendegebietes einsetzt. Der neue Chefdirigent Fabio Luisi und der Leiter des Rundfunkchores des MDR Howard Arman garantieren durch ihre Persönlichkeit Aufgeschlossenheit auch gegenüber den lebenden Komponisten dieser Region. Wie Herr Plath erläuterte, sind in Zukunft aus der sächsischen Szene Projekte mit den Dresdner Komponisten Wilfried Krätzschmar, Manfred Weiss und den Leipziger Komponisten Siegfried Thiele, Bernd Franke, Volker Bräutigam und Karl Ottomar Treibmann geplant. Nach Gesprächen des Vorsitzenden des Landesverbandes Sachsen, Günter Neubert, mit dem Intendanten des MDR, Prof. Udo Reiter, und dem Chefdirigenten Fabio Luisi, wurde Wilfried Krätzschmars Orchesterkomposition "cataracta" in das Konzertprogramm des MDR-Sinfonieorchesters unter Leitung von Fabio Luisi aufgenommen, der dieses Werk aus 18 eingereichten Partituren auswählte.

Des Weiteren wurde auf die Veranstaltungsreihen "Hörfenster" (mit ausschließlich zeitgenössischer Musik) auch innerhalb des Musiksommers des MDR verwiesen, in dessen Verlauf ein Wochenende speziell zeitgenössischer Musik gewidmet ist. Erwähnung fanden auch ein vom MDR an die Adresse der Musikhochschulen des Sendegebietes ausgeschriebener Kompositionswettbewerb und die Vergabe von Kompositionsaufträgen (Friedrich Schenker, Siegfried Thiele, Thomas Buchholz).

Nach Abschluss der Diskussion informierte der Vorsitzende Günter Neubert über die erweiterte Vorstandssitzung des DKIV in Berlin.
Nach dem Bericht über die Aktivitäten des Jahres 1998 folgte die Darstellung der augenblicklichen Situation und der Perspektive für die Arbeit des Landesverbandes Sachsen des DKIV in den Jahren 1999/2000. Der Landesvorsitzende berichtete über die bisherigen Erfolge, gerade im Zusammenhang mit den Werkaufführungen sächsischer Komponisten und die bisherige Unterstützung durch die Fördermittel von Stadt, Land und Bund, zeigte aber auch die zunehmenden Schwierigkeiten, zukünftig wegen der permanenten Reduzierung der verschiedenen Haushalte Fördermittel zu erhalten, um sowohl das Schaffen seiner Mitglieder und anderer sächsischer Komponisten repräsentieren zu können als auch neue Schöpfungen anzuregen.
Durch Prof. Wilfried Krätzschmar wurden die Aktivitäten des Arbeitskreises Dresden des Sächsischen Musikbundes erläutert. Die durchgeführten Gespräche und Werkvorspiele wurden als Anregung für die Arbeit der Arbeitskreise Leipzig und Chemnitz aufgenommen. Ein weiterer Punkt des Beitrages war die Darstellung des Versuches, durch eine Einladung an die "Dresdner neuesten Nachrichten" eine öffentliche Diskussion über das Thema "Gibt es uns noch..." anzuregen.
Günter Leimert stellte in seinem Bericht über die Arbeit des Arbeitskreises Chemnitz die großen Schwierigkeiten dar, die sich aus der altersbedingten Zusammensetzung des Arbeitskreis ergeben und informierte über zwei Projekte, in denen Chemnitzer Komponisten vorgestellt werden sollen.
In der sich anschließend entwickelnden Diskussion wurde bekräftigt, dass bei der Lösung der anstehenden Probleme alle gefordert sind. Bisher waren fast alle Aktivitäten "Alleingänge" des Vorsitzenden. Besonders wurde auf die mangelnde Präsenz vieler Mitglieder bei Konzerten und Veranstaltungen verwiesen, obwohl in letzter Zeit das Interesse besonders jüngerer Komponisten zugenommen hat.

Thüringen
Johannes K. Hildebrandt

Am 16. April 1999 wurde der Landesverband in den Landesmusikrat Thüringen e.V. aufgenommen.
Im ersten Halbjahr 1999 konnte die Gründung des Fördervereins "via nova - zeitgenössische Musik in Thüringen e.V." abgeschlossen werden. Der Verein wurde im Vereinsregister Weimar eingetragen, und die Gemeinnützigkeit wurde durch das Finanzamt bestätigt. Noch in diesem Jahr veranstaltet der Verein mehrere Kammermusikkonzerte und ein umfangreiches Multimedia-Projekt. Die Veranstaltungen werden durch das Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur und den Deutschen Musikrat gefördert und können so unter der Bezeichnung "Konzert des Deutschen Musikrates" stattfinden. Auf den Programmen stehen Werke von Karl Dietrich, Wolfgang Stendel, Reinhard Pfundt, Günter Neubert, Robin Minard, Peter Lang. Ludwig Kisters, Hubert Hoche, Johannes K. Hildebrandt und Michael Obst.
Außerdem konnte das Philharmonische Orchester des Theaters Gera-Altenburg für ein Konzert in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Thüringen gewonnen werden, das im November stattfinden wird. Auf dem Programm dieses Konzertes des Philharmonischen Orchesters Gera-Altenburg gemeinsam mit der RIAS Big Band stehen Werke von Jens Uwe Günther, Hubert Hoche, Karl Heinz Wahren und Mario Wiegand.
Für das kommende Jahr ist die Eröffnung einer Geschäftsstelle für den Förderverein sowie die Beantragung einer ABM-Stelle geplant.
Ein wichtiges Vorhaben für das Jahr 2000 ist die Weimarer Frühjahrstagung vom 27. - 31. März, für die der Verein auch einen Kompositionswettbewerb ausschreibt. Angeboten wird in dieser Zeit ein Kurs mit dem Trio pianOVo (Prof. Reinhard Wolschina, Prof. Maria-Luise Ewald, Prof. Axel Schmidt), das die ausgewählten Kompositionen des Wettbewerbs erarbeiten wird. Daneben werden Vorträge und weitere Konzerte stattfinden. Einsendeschluss für den Wettbewerb, der für die Besetzung Oboe, Violoncello und Klavier ausgeschrieben ist, ist der 15.1.2000.
Außerdem plant der Förderverein in Zusammenarbeit mit dem Tonkünstlerverband Thüringen die Durchführung von Workshops für Kinder und Jugendliche, um zeitgenössische Musik gerade der jungen Generation näher zu bringen. Ein weiteres Anliegen ist es natürlich auch, die Thüringer Orchester mit einzubeziehen. Bereitschaftserklärungen von Dirigenten für Konzerte mit Thüringer Komponisten liegen bereits vor. Besonders hier werden die Möglichkeiten des Förderungsprojektes "Konzert des Deutschen Musikrates" genutzt werden.

Neben diesen "Thüringen-internen" Vorhaben, lud der Landesvorsitzende Johannes K. Hildebrandt für den 19. Juni 1999 Vertreter verschiedener Organisationen und Institutionen (Komponistenverbände, Tonkünstlerverbände, Hochschulen u.ä.) aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt zur Gründung eines überregionalen Gremiums zur Förderung zeitgenössischer Musik nach Weimar ein. Gegründet wurde die "Ständige Konferenz Zeitgenössische Musik in Mitteldeutschland".
Zu den vordringlichen Aufgabenbereichen dieses Vereins gehören: der Kontakt zu politischen Organisationen und Ministerien in den Ländern, der Einsatz für zeitgenössische Musikproduktionen in Mitteldeutschland, insbesondere lebender Komponisten, die überregionale Konsolidierung verschiedener Festivals zeitgenössischer Musik zwecks besserer Finanzierungs- und Organisationsmöglichkeiten und unter Beibehaltung föderaler Strukturen, der Einsatz für soziale und kulturelle Belange lebender Komponisten, Kontakte zu wichtigen Ausbildungsstätten, die Beteiligung an Projekten oder vergleichbaren Aktivitäten an Schulen und Gymnasien, Publikationen über Komponisten u.v.a.. Neben der Nachwuchsförderung und Wettbewerben gehört auch der Aufbau einer überregionalen Datenbank zur Erfassung von Biographien und Werkverzeichnissen lebender Komponisten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu den Zielen der Konferenz.
Nach der Sitzung am 19. Juni traf man sich wieder zur Mitgliederversammlung am 24. Juli in Weimar. Zum Präsidenten wurde Thomas Buchholz (Halle) und zu den Vizepräsidenten Günter Neubert (Leipzig) und Johannes K. Hildebrandt ( Weimar) gewählt. Weiteres Präsidiumsmitglied wurde Dr. Rüdiger Pfeiffer. Die Weimarer Treffen zeigten, dass es ein großes Interesse bei Komponisten, Veranstaltern, Verlagen und Vereinen gibt, die überregionale Bedeutung des zeitgenössischen Musikschaffens im traditionsreichen mitteldeutschen Kulturraum darzustellen und zur Geltung zu bringen, ihre Ergebnisse und Leistungen zu dokumentieren, sich für die Präsenz zeitgenössischer Musik in allen Bereichen des öffentlichen Kulturlebens einzusetzen und ihre Verbreitung im deutschen und internationalen Musikleben zu unterstützen.



 
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