Startseite des dkv arrow Zeitschrift „Informationen“ arrow "informationen" 77 arrow Landesverband NRW
Freitag, 10. September 2010
 
 
Landesverband NRW Drucken E-Mail

„Verjüngen, verbessern, vernetzen
Landesverband NRW
Hans Lüdemann

Der Landesverband NRW, einer der größten bundesweit, versteht sich in erster Linie als
ein Forum, die Interessen der Komponisten gegenüber Politik und anderen gesellschaftlichen Gruppen zu artikulieren und zu vertreten. Außerdem geht es um Austausch und Information in beruflichen Fragen, wie z.B. gegenüber der GEMA. Dabei sind die Probleme die gleichen, denen auch die anderen Landesverbände  gegenüberstehen. Besonders wichtig ist es zu betonen, dass der DKV der Verband ist, welcher alle Komponisten spartenübergreifend vertritt und als Gesamtverband somit ohne Alternative ist. Gerade den jungen Komponisten dies deutlich zu machen, ist angesichts der fortgeschrittenen Altersstruktur des DKV eine schwierige Aufgabe. Wir versuchen, diesem Umstand mit verschiedenen Strategien zu begegnen:

Maßnahmen zur „Verjüngung“ und „Vergrößerung“ des DKV

  • Kommunikation mit Komponisten aus verschiedenen Bereichen - insbesondere gibt es einen verstärkten Austausch mit „mediamusic:nrw“, eines regionalen Zusammenschlusses von Filmmusik-Komponisten, der teils bundesweit und auch international agiert. Es haben diverse gemeinsame Sitzungen und Treffen stattgefunden. Weitere Zusammenarbeit ist geplant.
  • Sitzungen in den verschiedenen Zentren des Landes. Sitzungen haben in letzter Zeit in Köln, Essen und Düsseldorf stattgefunden.
  • Gezielte Einladung von Studenten und jüngeren Komponisten, die noch nicht Mitglieder sind.
  • Verbindung der Sitzung mit interessanten Themen, z.B. mit einem Fachvortrag zu aktuellen Notensatz-Programmen
  • Workshops an Musikhochschulen.

Ob und wie sehr diese Maßnahmen dazu geeignet sind, die Situation zu verbessern,
kann man erst längerfristig beurteilen, doch es gibt erste positive Signale.

Games-Problematik
Ein Problemfeld ist in der Kommunikation mit jüngeren Mitgliedern, aber auch befördert durch den Austritt älterer Mitglieder, die in dem Bereich tätig sind, besonders ins Blickfeld gerückt: Der Bereich „Games“, also Musik für Computerspiele, einer der größten Wachstumsmärkte überhaupt. Hier ist die Musik bisher weitgehend an der GEMA vorbeigegangen, weil junge Komponisten in der Regel, gezwungenermaßen oder auch freiwillig, „GEMA-frei“ arbeiten.
Für viele junge Komponisten ein Grund, der GEMA (und dem DKV) gar nicht erst beizutreten. Hier ist viel Arbeit, vor allem seitens der GEMA, erforderlich, um das Wegbrechen wichtiger Arbeitsbereiche von Komponisten aus dem Urheberrechtsschutz und damit dessen Erosion zu verhindern. Die Diskussion wurde gemeinsam mit „mediamusic:nrw“ geführt und in den Bundesverband und die GEMA hineingetragen - auch durch einen Briefwechsel mit Herrn Dr. Heker, dem Vorstandsvorsitzenden der GEMA.

Jazz-Spielstätten und GEMA
Bekannt ist, dass Jazz-Spielstätten es schwer haben, sich zu behaupten, da sie einerseits
eine Musik fördern, die nicht kommerziell ausgerichtet ist, andererseits oft selbst mit wenig
finanzieller Basis und Unterstützung auskommen müssen. Auch GEMA-Gebühren können
dabei zu einer großen Hürde werden. Unser Interesse als Komponisten ist es, dass die Clubs auch weiterhin ihre GEMA-Tantiemen zahlen und zahlen können, es ihnen aber auch weiterhin möglich sein wird, den Jazz jenseits kommerzieller Erwägungen zu präsentieren.  Gerade der Jazz ist besonders davon abhängig, dass er live gespielt wird.
In einigen Fällen, speziell bei dem Berliner Jazzclub „A-Trane“, gab es Probleme und Diskussionsbedarf, der zu einem konstruktiven Dialog zwischen DKV, GEMA und
Veranstalter geführt hat. Verschiedene Punkte sind hier wichtig: Das Bemühen, die schwierige Arbeit kleiner Veranstalter nicht mit überhöhten Forderungen zu belasten und im Dialog zu einer für alle tragfähigen Lösung zu finden, das Auftreten der GEMA als Partner und moderner Dienstleister und nicht als starre Behörde. Für uns als Komponisten eine Aufgabe, dass die GEMA auch nach außen hin so agiert, dass wir uns mit ihr als ihre konstituierenden Mitglieder möglichst weitgehend identifizieren können.

Konkrete Projekte
Doch es gibt auch immer wieder konkrete Projekte und Veranstaltungen, die vom DKV in NRW mitgestaltet und getragen werden. Seit vielen Jahren gab es die Idee zu einer „Orchestrale“, initiiert noch von den früheren Vorsitzenden Manfred Niehaus und Hermann Grosse-Schware. Die Idee dieses Projektes war es, die Orchester im Lande zu motivieren, mehr und regelmäßiger die Werke der Komponisten des Landes in ihre Programme aufzunehmen. Die Arbeitsgruppe „Beruf und Medien“ des Landesmusikrates NRW hat diese Anregungen aufgenommen, aus denen in diesem Jahr gleich zwei konkrete Projekte geworden sind:

- ein Komponistenworkshop des Gürzenich-Orchesters für junge Komponisten und
- der Kompositionsauftrag der „Bergischen Symphoniker“ für ein Werk, welches
  ein Beruforchester mit einem Kinderorchester zusammenbringt.

Ein Komponistenworkshop des Gürzenich-Orchesters für junge Komponisten
Der Workshop des Gürzenich-Orchesters hat am 29.01.2009 im Studio Stolberger Strasse in Köln unter der Leitung von Markus Stenz  stattgefunden.  Nach einer Vorauswahl durch eine Jury und die Endauswahl zweier Werke durch Markus Stenz wurden diese in einer öffentlichen Probe des Orchesters erarbeitet. Die Komponisten Timo Rutkamp und Marc Steinhäuser traten in einen sehr engen Dialog mit dem Orchester mit fruchtbaren Resultaten.

Ein genauerer Bericht findet sich im Internet unter:
http://www.lmr-nrw.de/518+M52c71b8fff4.html

Eine Fortsetzung des Workshops mit einer neuen Ausschreibung ist geplant. Dabei ist
erwünscht, dass die Werke auch Aufnahme in die Konzertprogramme des Orchesters finden und gegebenenfalls andere Orchester diese Idee aufnehmen.

Kompositionsauftrag der „Bergischen Symphoniker“
Die „Bergischen Symphoniker“ unter der Leitung ihrer Generalmusikdirektorin Romely Pfund haben als erstes Orchester in NRW die Idee der „Orchestrale“ aufgenommen und umgesetzt.  Herausgekommen ist ein spezielles Projekt, welches das Berufsorchester mit einem Kinderorchester verbindet.  Vergeben wurden zwei spezielle Kompositionsaufträge an zwei Komponisten aus NRW, Thomas Holland-Moritz und David Graham. Die Uraufführungen, zusammengefasst unter dem  Titel „Move it“, welche verbunden sind mit Workshops an Schulen, finden statt am 23.05.2009 in Remscheid und 24.05.2009 in Solingen.
Beabsichtigt ist, weitere Orchester in NRW von der Idee zu überzeugen, neue Werke in ihre  Programme aufzunehmen - nicht notwendigerweise mit pädagogischem Ansatz.

Fachvortrag FINALE
Bei der letzten Mitgliederversammlung gab es einen Fachvortrag von Harald Wingerter aus Frankfurt, einem langjährigen Verlagslektor bei SCHOTT und Autor eines Handbuches zum  FINALE-Notensatz-Programm. In sehr anregenden Demonstrationen und Diskussionen konnte er viele Fragen beantworten und wertvolle Anregungen geben.

Jürg Baur
Ein „alter Meister“ unseres Landes, der Komponist und  langjährige Kompositions-Professor der Kölner Musikhochschule, wurde zu seinem 90. Geburtstag geehrt. Weitere konkrete Projekte sind die von Martin Buntrock in Zusammenarbeit mit Peter Seiler erstellten Seiten für die Datenbank des DKV „Musik der Mitglieder“ und das von Hermann Grosse-Schware initiierte und weiter betreute Projekt eines Musikarchivs in der Düsseldorfer Musikbibliothek.

Ich wurde außerdem in das Präsidium des Landesmusikrates NRW als Beirat
für „kulturelle Vielfalt“ berufen. Dabei habe ich zu verschiedenen Projekten in diesem Bereich beigetragen, u.a. zu Diskussionsveranstaltungen beim „CREOLE-Wettbewerb“ und der Auslobung und Realisation eines Wettbewerbs für junge Bands aus dem Bereich „Weltmusik“.

 
< zurück   weiter >
 
Top!
Top!